ecxchange no. 2: Digital Irrational

ecxchange no. 2 – Digital Irrational

Beim zweiten Talk unserer „ecxchange“-Reihe, ging es um digitale Irrationalität: Wie lässt sich unser Gehirn austricksen und in mentale Shortcuts locken? Hat das Vorteile oder sollte man sich davor in Acht nehmen? Und was können wir von unserem eigenen Verhalten lernen?

Nachdem der erste Talk zum Thema Blockchain in den Räumen unserer Agentur in der Plange Mühle stattfand, haben wir für Teil zwei ins NRW Forum Düsseldorf eingeladen. Wer Lust hatte, konnten vorweg die Ausstellung „DEUSCTHLAND“ von Jan Böhmermann und der bildundtonfabrik besuchen, dann wurde es irrational …

Homer vs. Sheldon

Gemeinsam haben wir uns zuerst menschliches Verhalten im Allgemeinen angeschaut und dieses wie folgt aufgeteilt: „System 1“, das uns schnell, automatisch und intuitiv handeln lässt und „System 2“, das langsam, analytisch und fokussiert agiert. Bildlich gesprochen handelt es sich dabei um den Homer Simpson (System 1) und den Sheldon Cooper (System 2) in jedem von uns.

Während System 1 mit seiner intuitiven Handlungsweise dafür gesorgt hat, dass unsere Vorfahren nicht von Säbelzahntigern oder ähnlichem gefressen wurden, ist System 2 ein Sinnbild für unsere Intention kritisch zu denken und rational zu handeln. Interessant wird es allerdings immer dann, wenn Homer das Steuer übernimmt – besonders im digitalen Raum.

Effektiv?

Durch seine extreme Schnelligkeit ist „System 1“ besonders anfällig für Fehler, sodass sich immer wieder irrationale Verhaltensmuster ergeben – die Forschung spricht hierbei unter anderem von kognitiven Verzerrungen unseres Denkens.

Diese Verhaltensmuster werden als „Effekte“ beschrieben, von denen bisher mehr als 200 identifiziert wurden. Dazu gehören der „IKEA Effekt“, der dafür sorgt, dass wir selbstgemachte Dinge mehr wertschätzen als fertige Produkte. Oder der „Decoy Effekt“, der unattraktive Angebote besser aussehen lässt, wenn sie neben einem weiteren, noch weniger attraktiven Angebot platziert werden.

Die dunkle Seite der Effekte

Das Beispiel „Decoy Effekt“ zeigt schnell, wo die Reise hingehen kann: Besonders im Netz wird häufig versucht, User mit diesen Effekten zu irrationalem Verhalten zu verführen. Treibt man dies auf die Spitze, um beispielsweise Unternehmensinteressen durchzusetzen, spricht man von sogenannten „Dark Patterns“. Eine umfangreiche Sammlung negativer Beispiele hat die Website www.darkpatterns.org in ihrer „Hall of Shame“ gesammelt.

Ziel des ecxchange Talks war es jedoch nicht, den Anwesenden möglichst gemeine Tricks an die Hand zu geben, um ihre Nutzer in mentale Shortcuts zu locken. Vielmehr sollte aufgezeigt werden, was es zu vermeiden gilt. Denn „Dark Pattern“ versprechen häufig kurzfristige Umsatzsteigerungen oder höhere Klickzahlen, langfristig wirken sich solche Mechanismen aber immer negativ auf die Zufriedenheit von Nutzern aus. Das führt zur Aversion oder gar dem Boykott von Online-Angeboten.

Und jetzt was?

Unser Lösungsansatz: User Research. Anstatt User auszutricksen, sollten wir sie kennen und verstehen lernen. Nur so können wir ihnen helfen sich im digitalen Dschungel zu orientieren und nachhaltig begeistern. Wenn dabei Shortcuts im Sinne von schnelleren Klickwegen oder einer übersichtlicheren Navigation rauskommen – perfekt. Dann haben wir alles richtiggemacht.

Das Nutzer – online wie offline – immer mündiger werden, wissen Marken schon lange. Trotzdem verfallen sie selber immer wieder in dasselbe Muster: kurzfristige Gewinne vor langfristige Erträge zu stellen. Diesen Shortcut gilt es langfristig zu vermeiden.

Keep ecxchanging!

Das ecxchange-Format wurde von ecx.io Mitarbeitern ins Leben gerufen, um sich mit Themen abseits des Tagesgeschäfts zu beschäftigen und Wissen auszutauschen. Jeder ist eingeladen die Talks zu besuchen oder selber ein Thema vorzubereiten.

Der nächste Talk ist bereits in Planung. Der Termin wird via Facebook und Co. bekanntgegeben. Wer ihn auf keinen Fall verpassen will, kann sich unter ecxchange@ecx.io für mehr Infos anmelden. Ideen für weitere Talks sind ebenso herzlich willkommen.